Grundlagen, Ertrags- und Vermögenslage

Das Erzbistum Paderborn umfasst ein Gebiet von rund 15.000 Quadratkilometern in Nordrhein- Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Von den rund 4,8 Millionen Einwohnern sind rund 1,5 Millionen Menschen Katholiken. Sie leben in 689 Kirchengemeinden, die sich in 122 Pastorale Räume beziehungsweise Pastoralverbünde und Gesamtpfarreien gliedern. Damit ist das Erzbistum Paderborn nach Mitgliedern die sechstgrößte deutsche Diözese. Die Kirche im Erzbistum engagiert sich seelsorgerisch und sozial in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Angefangen von der Krankenhausseelsorge über die Notfallund Gefängnisseelsorge, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, die Caritas sowie Kunst und Kultur bis hin zu über 100 Ordensniederlassungen.

Die Zahl der Katholiken im Erzbistum ist auch 2016 gesunken. Ursache dafür sind vor allem demografische Effekte. So verzeichnet das Erzbistum Paderborn weiterhin deutlich weniger Geburten beziehungsweise Taufen als Sterbefälle.

Die Zahl der Kirchenaustritte sank gegenüber dem Vorjahr abermals auf 7.408. Positiv wirkten sich Wanderungseffekte aus, so dass insgesamt nur ein Rückgang von 0,7 Prozent zu verzeichnen war.

Die Entwicklung der Mitgliederzahl erfordert ebenso wie die Veränderungen in der Gesellschaft ein Überdenken der Organisation kirchlichen Wirkens. Dies zeigt sich unter anderem in der wachsenden Zahl neu organisierter Pastoraler Räume, in denen kirchliches Leben gemeinsam gestaltet wird. Das von Erzbischof Hans-Josef Becker 2014 in Kraft gesetzte Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn ist dabei der Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung und die Umsetzung einer Vielzahl von Maßnahmen. Die im Zukunftsbild beschriebenen pastoralen Prioritäten sind wesentliche Maßgabe für die Finanzplanung des Erzbistums.

Entwicklung der Mitgliederzahl
20162015
Kirchenmitglieder zum 1. Januar
1.549.2301.564.994
Taufen10.354
10.136
Sterbefälle-17.157
-17.030
Austritte-7.408
-7.838
Sonstige Veränderungen*
3.221-1.032
Kirchenmitglieder zum 31. Dezember
1.538.2401.549.230

* Eintritte, Wiederaufnahmen, Zuzüge bzw. Abwanderung

Stabile Erträge und leicht steigende Aufwendungen

Im Wirtschaftsjahr 2016 lagen die Kirchensteuererträge mit insgesamt 391,4 Mio. Euro um 1,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ursachen waren insbesondere Rückgänge der Kircheneinkommensteuer und der Abgeltungssteuer sowie ein Rückgang der Clearingerträge. Gleichwohl sind die Kirchensteuererträge mit einem Anteil von 75,9 Prozent nach wie vor die bei Weitem wichtigste Ertragsquelle des Erzbistums.

Die Erträge aus Zuweisungen und Zuschuüssen der öffentlichen Hand stiegen 2016 um 0,8 Prozent auf 57,3 Mio. Euro. Sie betreffen im Wesentlichen Zuschüsse für Personal- und Sachkosten der Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, die vom Erzbistum betrieben werden.

Die sonstigen Erträge und Umsatzerlöse stiegen 2016 um 8,2 Prozent auf zusammen 66,8 Mio. Euro. Ein Großteil davon stammt regelmäßig aus der Auflösung von Rückstellungen. Ein zusätzlicher einmaliger Ertrag ergibt sich aus einem Zinsänderungseffekt bei der Kalkulation der Altersvorsorgeverpflichtungen.

Insgesamt lagen die Erträge mit 515,5 Mio. Euro auf dem Vorjahresniveau von 514,5 Mio. Euro. Demgegenüber stiegen die Aufwendungen um 1,9 Prozent auf 469,5 Mio. Euro an. Den größten Anteil daran hatten die Zuweisungen und Zuschüsse an Kirchengemeinden, Verbände und andere kirchliche Einrichtungen. Diese stiegen um 3,6 Prozent auf 221,8 Mio. Euro und haben einen Anteil von 47,2 Prozent an den Gesamtaufwendungen.

Im Jahr 2016 haben die Kirchengemeinden deutlich intensiver als in den Vorjahren zugesagte Finanzmittel abgerufen.

Der Personalaufwand lag mit insgesamt 179,1 Mio. Euro fast auf Vorjahresniveau (180,3 Mio. Euro). Den aufgrund von Tariferhöhungen gestiegenen Löhnen und Gehältern standen dabei niedrigere Vorsorgeaufwendungen gegenüber. Mit einem Anteil von 38,2 Prozent sind die Personalaufwendungen der zweitgrößte Aufwandsposten des Erzbistums.

Die Abschreibungen und sonstigen Aufwendungen verzeichnen gegenüber dem Vorjahr nur geringe Veränderungen. Zu den sonstigen Aufwendungen zählen unter anderem die Gebäudeinstandhaltung (rund 8,5 Mio. Euro) sowie Kosten für Energie- und Wasserverbrauch und Reinigung. Auch die Hebegebühren der Finanzämter für den Einzug der Kirchensteuer in Höhe von 11,0 Mio. Euro sind hier enthalten. Hinzu kommen Büro- und IT-Kosten, Mieten, Versicherungen und andere Aufwendungen.

Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt wirkten sich weiterhin auf das Finanzergebnis aus. So sanken die Kapitalerträge um 5,9 Prozent auf 53,1 Mio. Euro. Nach Aufwendungen für die Aufzinsung der Rückstellungen verblieb ein gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent reduziertes Finanzergebnis von rund 35,5 Mio. Euro.

Bilanzgewinn geht an Kirchengemeinden und Caritas

Insgesamt liegt der Jahresüberschuss vor Dotierung der Rücklagen bei 81,4 Mio. Euro und damit um 10,3 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Aus dem Überschuss 2016 sowie dem Ergebnisvortrag aus 2015 wurden die Bau- und Sonderrücklagen per Saldo mit 8,7 Mio. Euro dotiert. Darüber hinaus wurden die Pensionsrücklagen per Saldo um 97,8 Mio. Euro aufgestockt, um die niedrigere Dotierung der Pensionsrückstellungen zu kompensieren.

Der Ausgleichsrücklage wurden 6,9 Mio. Euro zugeführt. Insgesamt ergibt sich daraus ein Bilanzergebnis von 12,1 Mio. Euro, nach 44,2 Mio. Euro im Vorjahr.

Der Kirchensteuerrat hat beschlossen, den Bilanzgewinn des Jahres 2016 vollständig auszuschütten beziehungsweise festgelegten Zwecken zu widmen. 9,7 Mio. Euro sollen an die Kirchengemeinden ausgeschüttet werden. 2,0 Mio. Euro werden für die Dotierung des Armutsfonds sowie 400.000 Euro für den Flüchtlingsfonds des Erzbistums verwendet.

Verpflichtungen steigen weiter an

Die Bilanzsumme des Erzbistums stieg zum Bilanzstichtag um 2,9 Prozent auf 4,282 Mrd. Euro. Auf der Aktivseite, also der Darstellung der Vermögenswerte, dominieren die Finanzanlagen mit 3,893 Mrd. Euro. Die Sachanlagen belaufen sich auf 288,4 Mio. Euro. Das Umlaufvermögen in Höhe von 93,1 Mio. Euro deckt vor allem den Liquiditätsbedarf für die laufenden Ausgaben.

Der Vermögenszuwachs spiegelt vor allem die weiter gestiegenen Verpflichtungen des Erzbistums. Insbesondere für die Altersversorgung der Mitarbeiter müssen ausreichende Mittel zurückgelegt werden.

Mit einer gegenüber dem Vorjahr leicht gesunkenen Eigenkapitalquote von 84,0 Prozent (Vorjahr: 84,4 Prozent) ist das Erzbistum stabil aufgestellt und kann unabhängig agieren. Vom Eigenkapital entfallen unverändert rund 781 Mio. Euro auf das Bistumskapital – das Eigenkapital im engeren Sinne. Es dient insbesondere zur Sicherstellung der Aufgabenerfüllung des Erzbistums und als Reserve für langfristige Verpflichtungen und Risiken.

„Das Bistumskapital dient zur Sicherstellung der Aufgabenerfüllung und als Reserve für Verpflichtungen.“

Der weitaus größte Teil des Eigenkapitals entfällt auf zweckgebundene Rücklagen. Rund 1,4 Mrd. Euro werden zur Erhaltung der Gebäude aller Einrichtungen im Erzbistum sowie zur Finanzierung umfangreicher Projekte, als Rücklage für soziale Einrichtungen sowie für den Caritas-Notfallfonds benötigt. Zur Ausfinanzierung der Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums wurden den Pensionsrücklagen 2016 zusätzlich 97,8 Mio. Euro zugeführt. Die Pensionsrücklagen erreichen damit ein Volumen von 622,2 Mio. Euro. 737,4 Mio. Euro dienen als Ausgleichsrücklage für die Absicherung gegen langfristige Ergebnisschwankungen, insbesondere mit Blick auf zu erwartende rückläufige Kirchensteuererträge.

Kirche ist kein Wirtschaftsunternehmen. Außer geringfügigen Teilnehmerbeiträgen für Veranstaltungen erzielt das Erzbistum Paderborn keine direkten Erträge. Deshalb ist die hohe Eigenkapitaldeckung wichtig.

Es ist ein Ziel der Finanzpolitik des Erzbistums, auf Bankverbindlichkeiten weitestgehend zu verzichten, um Finanzierungkosten zu vermeiden und die Kirchensteuereinnahmen unmittelbar der kirchlichen Arbeit zukommen zu lassen.

Zur Deckung seiner Verpflichtungen, insbesondere in der Altersversorgung, hat das Erzbistum in der bilanzrechtlich zulässigen Höhe Rückstellungen gebildet. 2016 stiegen die Pensionsrückstellungen um 3,7 Prozent auf insgesamt 384,5 Mio. Euro. Hinzu kommen Beihilferückstellungen in Höhe von 105,6 Mio. Euro. Durch die Pensionsrückstellungen und -rücklagen sind die Vorsorgeverpflichtungen aus heutiger Sicht ausfinanziert.

Die hohe Eigenkapitalquote sichert die Unabhängigkeit des Erzbistums und die Handlungsfähigkeit der Kirche. Durch die Bauerhaltungsrücklagen kann das Erzbistum langfristig die Kirchengemeinden bei großen Sanierungsprojekten unterstützen. Mit dem Fonds für soziale Einrichtungen ist Vorsorge für kritische Situationen von Trägern sozialer Unterstützungseinrichtungen getroffen. Zwar müssen auch diese Einrichtungen grundsätzlich wirtschaftlich tragfähig sein, um dauerhaft existieren zu können. Gleichwohl steht das Erzbistum für eine langfristig orientierte, seelsorgerisch und sozial ausgerichtete Grundhaltung.

Insgesamt verfügt das Erzbistum Paderborn über eine stabile finanzielle Basis und kann aus den laufenden Erträgen seine vielfältigen Aufgaben erfüllen. Das verfügbare Vermögen ermöglicht eine nachhaltige Arbeit und sichert die langfristige Deckung der Verpflichtungen.

Heilig-Kreuz-Kirche, Horn-Bad Meinberg