Ihre Kirchensteuern – vielfältige Aufgaben

Die folgende Darstellung basiert – anders als die Ergebnisrechnung im Jahresabschluss – auf dem Nettoprinzip. Das heißt, es werden nur die vom Erzbistum getragenen Kosten betrachtet. Zuschüsse der öffentlichen Hand für die Erbringung der beschriebenen Leistungen, insbesondere für Schulen und andere Bildungsaufgaben, wurden von den Aufwendungen abgezogen, ebenso wie etwaige weitere Erträge, zum Beispiel aus Teilnehmerbeiträgen. Damit wird deutlich, wozu die Kirchensteuermittel und die Kapitalerträge des Erzbistums eingesetzt werden.

Seelsorgeaufgaben werden zu einem großen Teil dezentral in den Kirchengemeinden wahrgenommen. Ein lebendiges Gemeindeleben ist die Basis der Kirche. Dafür erhalten die Kirchengemeinden Mittelzuweisungen für die Finanzierung der laufenden Sach- und Personalaufwendungen. Hinzu kommen vom Erzbistum finanzierte Personalaufwendungen und Vorsorgeleistungen, insbesondere für die Seelsorger. 2016 stieg der Finanzierungsbeitrag für die sogenannte territoriale Seelsorge gegenüber dem Vorjahr deutlich um 13,1 Prozent an. Ursächlich dafür waren gestiegene Schlüsselzuweisungen, eine höhere Baupauschale sowie erhöhte Investitionszuweisungen. Die territoriale Seelsorge hatte mit 214,6 Mio. Euro im Jahr 2016 einen Anteil von 59,2 Prozent an der Verwendung von Kirchensteuermitteln und Kapitalerträgen.

Der Bereich Soziales umfasst neben den Leistungen an den Diözesan-Caritasverband im Wesentlichen die Finanzierungsbeiträge für die verschiedenen Beratungsstellen. Dazu gehören unter anderem die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen mit sieben Standorten sowie die Telefonseelsorge. Weitere Mittel fließen als Zuschüsse an Altenheime, Krankenhäuser, Hospize und andere caritativ tätige Rechtsträger. Mit einem Ergebnisbeitrag von rund 26,9 Mio. Euro ist der Bereich Soziales nach den Seelsorgeaufgaben das größte Tätigkeitsfeld.

„2016 stiegen die Aufwendungen für die Seelsorge in den Kirchengemeinden deutlich an.“

23,3 Mio. Euro hat das Erzbistum 2016 für die Unterstützung der rund 500 geförderten Kindertagesstätten ausgegeben. Fast 30.000 Kinder werden dort betreut, davon rund die Hälfte aus katholischen Familien. Die Trägerschaft von etwa zwei Dritteln der Kindertagesstätten liegt bei sieben Betreibergesellschaften in der Rechtsform der gemeinnützigen GmbH, deren Mehrheitseigner die Kirchengemeindeverbände sind. Etwa ein Drittel ist in Trägerschaft der Kirchengemeinden. Die Aufwendungen sanken gegenüber dem Vorjahr, da 2015 Nachzahlungen erfolgt und erhöhte Rückstellungen gebildet worden waren, die 2016 geringer ausfielen. Zudem fielen Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen an, die den Nettoaufwand verminderten.

Unter den Bereich Verwaltung fallen die Kosten der zentralen Abteilungen im Erzbischöflichen Generalvikariat, im Jahr 2016 rund 22,3 Mio. Euro. Dazu gehören klassische Verwaltungsaufgaben wie das Rechtsamt, das Bauamt, die Personalverwaltung, das Finanz- und Rechnungswesen, die technischen Dienste, die IT sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Bereich umfasst aber auch zentrale Stellen der pastoralen Leitung wie die Priesterbetreuung, die Fort- und Weiterbildung sowie die Fachstellen für Liturgie und Ökumene, die letztlich der Seelsorge dienen. Die Aufwendungen stiegen gegenüber dem Vorjahr insbesondere aufgrund von Personalkostensteigerungen, aber auch durch den Organisationsentwicklungsprozess des Erzbischöflichen Generalvikariats im Rahmen der Umsetzung des Zukunftsbildes.

Die aus Kirchensteuern und Kapitalerträgen finanzierten Aufwendungen für Bildung – 2016 rund 20,2 Mio. Euro – umfassen die Jugend- und Erwachsenenbildungsstätten des Erzbistums sowie weitere Einrichtungen für Wissenschaft, Kultur und Bildung. Dazu gehören unter anderem das Erzbischöfliche Diözesanmuseum, das Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit, das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik sowie das Paulus-Kolleg für Studierende der Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule NRW. Gefördert werden zudem die katholischen Bildungsstätten in mehreren Städten, die Theologische Fakultät Paderborn, die Erzbischöfliche Akademische Bibliothek sowie das Erzbischöfliche Priesterseminar. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Aufwand deutlich, da 2015 erhebliche Aufwendungen für Baumaßnahmen angefallen waren.

Allein in den Bildungsstätten wurden im Jahr 2016 Veranstaltungen mit rund 93.000 Teilnehmern durchgeführt. Sie sind wichtige Zentren der Familien- und Jugendarbeit und zeichnen sich durch ein breites Angebot für die verschiedenen Zielgruppen aus.

Bildungshäuser und Exerzitieneinrichtungen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn

EinrichtungStandortZweck
Katholische AkademieSchwerteBildungsstätte
St.-Klemens-KommendeDortmundBildungsstätte
Liborianum – Bildungs- und Gästehaus des ErzbistumsPaderbornBildungsstätte
Katholische Landvolkshochschule Anton HeinenWarburgBildungsstätte
Bildungs- und Exerzitienhaus St. BonifatiusWinterbergBildungsstätte und Exerzitienhaus
Jugendbildungsstätte "Kardinal-Degenhardt-Haus"WarburgJugendbildungsstätte
Kirche der Jugendbildungsstätte und der Landvolkshochschule in Hardehausen: Schöpfungsgarten

Das Erzbistum finanziert den Betrieb von 14 eigenen Schulen (davon 13 eigene Immobilien) sowie von 5 Schulen in der Trägerschaft von Stiftungen. Hinzu kommen Zuschüsse für Betriebskosten und Instandhaltung der Gebäude von 12 weiteren Schulen in Trägerschaft anderer katholischer Einrichtungen. Zusammen kostet dies nach Verrechnung öffentlicher Mittel jährlich rund 18,7 Mio. Euro aus Kirchensteuermitteln und Kapitalerträgen. Hier stieg der Aufwand gegenüber dem Vorjahr, unter anderem durch erhöhte Zuweisungen an Schulen in anderer Trägerschaft.

Für überdiözesane Aufgaben stellte das Erzbistum Paderborn rund 18,0 Mio. Euro bereit. Dies beinhaltet auch das Engagement für die Weltkirche und die Soforthilfe bei Katastrophen.

Er umfasst beispielsweise die Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge, die Ausländerseelsorge, die Feuerwehr-, Polizei- und Notfallseelsorge. Im Bereich der Jugendarbeit fördert das Erzbistum unter anderem die Jugendverbände und unterhält die Jugendbildungsstätte Hardehausen. Die Unterstützung der Vielzahl katholischer Verbände sowie die Ehrenamtsförderung sind weitere Themenbereiche.

Neben der Gemeindearbeit findet Seelsorge auch an vielen anderen Orten statt. Diese Arbeit wird im Haushalt des Erzbistums Paderborn als kategoriale Seelsorge zusammengefasst. 17,9 Mio. Euro beziehungsweise 4,9 Prozent der Aufwendungen flossen 2016 in diesen Bereich.

Sonstige Aufwandsposten sind unter anderem die Liegenschaften und das Offizialat.

Die Tabelle zeigt, gegliedert nach Aufgabenbereichen, die Aufwendungen, die das Erzbistum nach Verrechnung der hierauf jeweils entfallenden Erträge (insbesondere durch Zuschüsse zum Schulbetrieb) finanziert.

Aufgabenbereich
Tsd. Euro
Territoriale Seelsorge214.565,9
Soziales26.937,2
Kindertagesstätten23.290,4
Verwaltung Erzbistum22.292,8
Bildung20.191,1
Schulen 18.694,9
Überdiözesane Aufgaben/Weltkirche17.965,1
Kategoriale Seelsorge17.851,2
Sonstiges756,1
GESAMT362.544,6